DEA Deutsche Eliteakademie

Die DEA: Gespräch der DEA mit Herrn Senator Anton J. Schmidt

Vorsitzender der Geschäftsführung von Ethicon in Norderstedt

Anton J. Schmidt

Antworten von Herrn Anton J. Schmidt von Ethicon bzgl. der am 4. 4. 2005 gestellten Fragen:

Halten Sie die Bildung von Eliteeinrichtungen für notwendig?
Ja, und das ist meine innerste Motivation gewesen, bei der Deutschen Eliteakademie Mitglied zu werden. Denn Elite ist wichtig für das Erreichen von Leistungsspitze.

Halten Sie ein Elitestudium für notwendig?
Ganz ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass wir ein System brauchen, bei dem ausschließlich ausgewählte Menschen als Eliten – sei es an einer Eliteakademie oder Eliteuniversität – studieren können. Insgesamt muss der Level an unseren Universitäten gesteigert werden und wir brauchen eine bessere Vernetzung zwischen den Universitäten, der Wirtschaft und der Forschung, um eine Leistungselite zu bilden.

Glauben Sie, dass die deutschen Universitäten heute eine Eliteausbildung anbieten?
Ich glaube, dass man in der Summe sagen kann, dass Eliteausbildung in Deutschland nicht angeboten wird!
Aber es gibt Ausnahmen und ich bin davon überzeugt, dass es in allen Fachbereichen sehr begabte Studenten in Deutschland gibt, die auch hierzulande eine sehr gute Ausbildung bekommen. Besonders ausgeprägt ist dies in der Medizin und in der Juristik.
Nur ist es momentan opportun zu sagen, man müsse ins Ausland gehen, um sich wirklich richtig auszubilden und platzieren zu können. Der Hochschulstandort Deutschland muss nur besser verkauft werden, denn es gibt hier gute Möglichkeiten zu einer erstklassigen Ausbildung.

Kann Deutschland mit dem bestehenden Bildungsangebot seinen Eliteanspruch in der Wirtschaft noch aufrechterhalten oder werden wir, wenn wir uns nicht umstellen und Eliten fördern, bald von anderen Staaten eingeholt?
Um die Antwort beim Ende anzufangen: wir sind schon in vielen Bereichen eingeholt. Gerade im Bereich Betriebswirtschaft gibt es durchaus Länder, die eine bessere Ausbildung anbieten, vor allem auf privater Initiative.
Wenn ich von den Erfahrungen ausgehe, die ich innerhalb unseres Konzerns gemacht habe, dann kann ich sagen, dass wir für sämtliche Sales- und Marketingpositionen nach Absolventen mit MBA-Abschluss Ausschau halten. Die Inhalte, die in den USA vermittelt werden, sind wesentlich komplexer und offensichtlich auch besser als in Deutschland.
Hier kann ich ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung anführen: An einem Assessment Center unseres Johnson&Johnson-Konzerns in Orlando, USA, nahmen 800 MBA’s aus der ganzen Welt teil, worunter nur zwei Deutsche waren. Da waren vielfach mehr Italiener, Franzosen, Spanier, Skandinavier und natürlich Briten.
Ich denke, dass wir uns ohne Zweifel stetig verbessern. Nur die anderen Länder haben zum Teil eine höhere Verbesserungsgeschwindigkeit, deshalb nähern sie sich unserem Niveau immer mehr an, haben uns schon fast erreicht oder ziehen uns davon. Wir verbessern uns nicht mit der nötigen Vehemenz.
Mit einem Konstrukt wie der Deutschen Eliteakademie wird etwas bewegt. In Deutschland ist schon sehr viel Gutes vorhanden, das nur wieder einmal hervorgehoben werden muss.

Zwischenfrage: Wie sehen Sie eigentlich die 35–40-jährigen jungen Leute, die die Geschäfte übernehmen von den 60-Jährigen: Ist das eine Schicht, bei der man aufhorchen muss oder eher eine Schicht, an deren Erfolgsaussichten man zweifeln muss?
Es ist wahrnehmbar, dass sich die Wertsysteme verändert haben. Die „Life-Work-Balance“ ist anders als vor 30 Jahren, als der Faktor „Work“ einen höheren Stellenwert hatte, wohingegen heute der Faktor „Life“ wichtiger ist.
Wir sehen in unserem Unternehmen, dass heute junge Leute mit Familien nicht mehr bereit sind, das zu leisten, was unsere älteren Mitarbeiter in ihrem Alter geleistet haben. Die wirkliche Bereitschaft zu leisten, das Zeitinvestment, persönliches Einbringen, die Begeisterung und Ausschließlichkeit, wirklich von einer Sache in den Bann gezogen zu sein, passieren heute nicht mehr. Die Umwelt ist viel reizüberfluteter geworden, so dass die Menschen von vielen Dingen beeinflusst werden. Sie finden heute immer weniger junge Leute, die vom Studium kommen und sagen, jetzt bin ich bereit ...
Auch Mobilität ist ein großes deutsches Thema, denn hierzulande wird der Glaube gepflegt, wonach die Arbeit zu mir kommt. Ein Amerikaner hingegen geht dahin, wo es Arbeit gibt.

Sehen Sie bei der Deutschen Eliteakademie, die ihren Eliteanspruch in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung zukünftiger Chefärzte sieht, die sie mit ihrem Studiengang für Krankenhausmanagement fortbilden will, einen gerechtfertigten Eliteanspruch aufgrund dieser Vorgabe als gegeben an?
Im Vordergrund stehen hier die Krankenhausmanager der Zukunft, die zugleich Ärzte sind. In Prozenten ausgedrückt, umfasst die Chefarzttätigkeit zu 50 % Managementtätigkeiten und zu 50 % die operativen Eingriffe.
In der Diskussion „Quo vadis chirurgica?“ anlässlich eines Ordinarientreffens deutscher Chirurgen in Deutschland, wurde darüber diskutiert, wie der Chefarzt von Morgen auszusehen hat.
Hierbei gab es zwei Diskussionsansätze: Die eine Seite vertrat die Ansicht, dass alle Oberärzte noch ein berufsbegleitendes MBA Studium machen sollten. Auf der anderen Seite wurde die Philosophie vertreten, dass im Vordergrund der Aufgaben die Patientenpflege und die Kompetenzen in Zusammenhang mit dem Hippokratischen Eid stehen, und das Management nur eine nebensächliche Tätigkeit darstellt.
Ich glaube, die Wahrheit liegt in der Mitte. Der Chefarzt von Morgen muss über alle sozialen Kompetenzen eines Leaders bzw. Managers verfügen und braucht einen betriebwirtschaftlichen Hintergrund, um zu wissen, wo er Lösungsansätze finden kann, um mit den Ökonomen in seinem Krankenhaus auf Augenhöhe diskutieren zu können.

Wie würden Sie unser Gesundheitssystem bezeichnen und auch für die Zukunft bewerten?
Grundsätzlich haben die Sozialversicherungssysteme gegen drei Megatrends anzukämpfen: die Demographie, den medizintechnologischen Fortschritt und den Gesundheitsbegriff, der innerhalb der Bevölkerung eine neue Dimension der Erwartungshaltung erzeugt hat.
In unserem System sehen wir einem Einnahmenproblem durch z.B. Arbeitslosigkeit und höheres Lebensalter entgegen. Und dies bei gleichzeitig steigenden Ausgaben, so dass unser Gesundheitssystem nicht mehr funktioniert.
Die Einführung von DRGs, der Diagnose Related Groups, ist per se gut, weil sie die Kosten transparenter machen und so helfen, diese in den Griff zu bekommen. Es gibt ganz wenige Universitätskliniken, die gut aufgestellt sind. Es gibt ganz wenige, die schwarze Zahlen schreiben. Also beginnt jetzt der Aufbruch zur Frage der Kosteneinsparung, wobei man sich hier relativ schwer tut.
Das Gesundheitssystem ist nach meiner festen Meinung auf Dauer so nicht finanzierbar. Ich glaube ferner, dass weder Bürgerversicherung noch Gesundheitsprämien die richtige Lösung sind, denn beide Systeme sind letztlich nicht finanzierbar.

Ist Ethicon als High-Tech-Schmiede im Bereich Elitenförderung für die Zukunft gut aufgestellt?
Ethicon ist nicht als Einzelunternehmen aufgestellt, wir gehören ja zur Johnson & Johnson Group, dem weltweit größten Gesundheitsanbieter mit über 50 Mrd. US-Dollar Umsatz pro Jahr. Ethicon – wie auch der Mutterkonzern Johnson & Johnson – sind immer an Eliten interessiert.
Bei uns ist das letztendlich auch ein Thema von finanziellen Möglichkeiten und Ressourcen. In den letzten Jahren erleben wir natürlich auch Restriktionen, die aus der Notwendigkeit der Krankenhäuser, Sachkosten einzudämmen, resultieren. Dementsprechend haben wir durchaus manche Dürrezeit zu erleben, was bei einem Personalstand von 2.400 Mitarbeitern in Deutschland nicht ganz so einfach ist – sich innerhalb des Konzerns wettbewerbsmäßig durchzusetzen, da es ja noch andere Produktionsstätten gibt.
In Deutschland sind wir mit 17 verschiedenen Geschäftsbereichen aufgestellt, die wir in einer GmbH zusammengefasst haben. Somit ergeben sich viele Möglichkeiten, die „jungen Talente“ auch innerhalb des Konzerns auszutauschen: Cross Business Unit, Cross Franchise, Cross Sector – also können wir durchaus auch mal in den Pharmasektor oder in den Consumer-Sektor Einblicke gewähren, denn unser Konzern Johnson&Johnson stellt auch Consumerprodukte wie Penatencreme oder Piz-Buin oder Carefree her, und damit Talente voranbringen. Die Möglichkeit, breite Erfahrungen in verschiedenen Geschäftsfeldern zu sammeln, ist eine geniale Basis, Manager zu Spitzenleistungen zu führen.


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