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Vollbeschäftigung in Deutschland

„Oberkochen und die Angst vor 1000 neuen Arbeitsplätzen“ – titelte im Januar 2018 die FAZ. Obwohl die meisten Bundesbürger diesen Ort auf der Schwäbischen Alb noch nicht einmal kennen, der mit 8000 Einwohnern einer Kleinstadt entspricht, bietet Oberkochen Interessierten sehr viel. Der Optikkonzern Zeiss mit fast 7000 Beschäftigten hat hier seine Zentrale, und dessen Vorstandschef sucht verzweifelt weitere 435 Mitarbeiter, weil die Geschäfte hervorragend laufen. Doch Zeiss ist nicht der einzige große Arbeitgeber in Oberkochen, da gibt es noch Mapal als Hersteller von Präzisionswerkzeugen für Metallarbeiten mit 5000 Mitarbeitern und – last but not least – das Unternehmen Leitz, welches Werkzeuge für die Holz- und Kunststoffverarbeitung produziert – mit insgesamt 4300 Beschäftigten.
Vor diesem Hintergrund werden die neuen 1000 Arbeitsplätze, die ein südkoreanisches Unternehmen mit dem eigenwilligen Namen YG-1 bietet, das sich in Oberkochen ansiedeln will, für die Kleinstadt zu einem echten Problem. Was andernorts wie ein Arbeitswunder klingt, war für Oberkochen und dessen Gemeinderat eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Trotzdem stimmte man für die Ausweisung von 32.000 qm an neuen Gewerbeflächen, um dem koreanischen Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, auf diesem Gelände sein Werk für 1000 Beschäftigte zu errichten. Euro 1.2 Mio. wurden bereits von YG-1 für den ersten Bauabschnitt bezahlt. „Jetzt wird geplant“ – so der Bürgermeister von Oberkochen. „Ende des Jahres oder Anfang 2019 geht es los mit dem Bau“. Trotzdem brach ein Sturm der Entrüstung auf den Bürgermeister los, obwohl es für ihn doch die vornehmste Aufgabe ist, Arbeitsplätze zu schaffen, Er will die Stadt zu einem europaweit bedeutenden Zentrum der Werkzeug herstellenden Industrie machen. Der Zeiss-Chef wies verärgert darauf hin, dass ein Gewerbegebiet mit Geldern der örtlichen Arbeitgeber planiert wurde - „und dann bekommt es die Konkurrenz“. Er bemerkte ferner, dass allein Zeiss seit dem Jahr 2010 in Oberkochen Euro 180 Mio. an Gewerbesteuern bezahlt hätte und dass von solchen Zahlen andere Städte wohl nur träumen könnten. Sein Kollege von Leitz sah die Vergabe des Gewerbegebiets an die Koreaner mit Befremden, wies darauf hin, dass die Unternehmen der Stadt trotz aller Globalisierung immer treu geblieben seien, dort viele Arbeitsplätze geschaffen hätten, und nicht einmal im Vorfeld über die neue Ansiedlung informiert worden wären. Was für die einen Angst und Schrecken bedeuten kann, davon träumen auf der anderen Seite Kommunalpolitiker in ganz Deutschland.

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